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    Naturmaterialien

    4 Minuten Lesezeit

    Drei Eigenschaften, die zählen.

    Bei der Materialwahl in hochwertigen Innenräumen kommt es immer wieder zur gleichen Frage. Naturstein, Keramik oder Holz. Visuell können sie sich annähern. Funktional liegen sie weit auseinander.

    Naturstein.

    Naturstein ist Material aus dem Berg. Granit, Marmor, Kalkstein, Schiefer. Jede Platte ist anders. Adern, Farbverläufe, kleine Einschlüsse. Das ist sein Reiz und seine Herausforderung. Wer Natursteinplatten bestellt, sieht das Ergebnis erst, wenn sie geliefert sind.

    Naturstein ist kalt im Anfassen, schwer im Gewicht, hart im Auftreten. Marmor ist säureempfindlich. Kalkstein ist druckempfindlich. Granit ist kratzfest, aber wirkt häufig industriell. Schiefer spaltet, lässt sich aber nicht polieren.

    In Bädern funktioniert Marmor visuell. Funktional ist er heikel. Zitronensaft hinterlässt Flecken. In Küchen ist Granit pragmatisch, aber hat selten die haptische Qualität von Stein, die einen Raum trägt. Naturstein passt, wo Beständigkeit gewünscht ist und Pflege akzeptiert wird.

    Keramik.

    Keramik ist gebrannter Ton, oft glasiert, heute auch als grossformatige Feinsteinzeugplatten von zwei mal drei Metern. Sie kann jede Oberfläche imitieren. Holzdielen, Marmorplatten, Beton, Stoff. Die Imitation ist so gut geworden, dass viele Bauherren sie nicht mehr von Original unterscheiden.

    Funktional ist Feinsteinzeug das technisch beste Material für Böden in Nutzungsräumen. Kratzfest, fleckenresistent, frostsicher, säurefest, einfach zu pflegen. Im Bad und in der Küche fast unschlagbar.

    Was fehlt, ist die haptische Tiefe. Keramik fühlt sich an wie das, was sie ist. Auch wenn sie wie Holz aussieht. Wer das akzeptiert, hat ein Material, das Jahrzehnte hält. Wer es nicht akzeptiert, sollte zu Original greifen.

    Holz.

    Holz lebt. Es arbeitet bei Feuchtigkeit, schwindet bei Trockenheit, verändert seine Farbe im Laufe der Jahre. Eiche dunkelt nach. Kirschbaum wird rötlicher. Nussbaum verliert über die Zeit Kontrast.

    Diese Veränderung ist kein Mangel, sondern Charakter. Wer Holz wählt, akzeptiert, dass der Boden in zehn Jahren anders aussieht als am Tag der Verlegung. Wer das als Problem sieht, sollte Keramik wählen.

    Holz braucht Pflege. Geöltes Holz monatlich. Gewachstes regelmässig. Lackiertes weniger, aber mit Folgen, wenn die Versiegelung beschädigt wird. In Bädern ist Holz möglich, aber heikel. In Küchen ist es eine Frage der Disziplin.

    Wann passt was.

    Naturstein in Eingangsbereichen, Bädern mit hohem Anspruch und Räumen, in denen Beständigkeit über Pflege gestellt wird.

    Keramik in stark genutzten Bereichen, Küchen und Bädern, wo Funktionalität über Authentizität geht.

    Holz in Wohnräumen, Schlafräumen und überall, wo Wärme und Lebendigkeit den Charakter prägen sollen.

    Die wichtigste Regel: nicht das Material wählen, sondern den Raum verstehen, der es enthalten wird.

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