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Mikrozement ist nicht, was Instagram zeigt.

Mikrozement, Mortex, Pandomo, Béton Ciré, Naturofloor, Marmorino, ist eines der meistgewünschten Materialien in der zeitgenössischen Innenarchitektur. Die Bilder auf Instagram und Pinterest zeigen nahtlose, fugenlose Flächen in warmen Erdtönen. Was sie nicht zeigen: die Risse nach dem ersten Winter, die Pflegeansprüche und die Kosten der Nacharbeit.

Dieses Dokument erklärt, was Mikrozement wirklich ist, was er kann und was nicht, damit die Spezifikation auf Fakten basiert, nicht auf Bildern.

Was Mikrozement ist.

Mikrozement ist ein zementbasiertes Beschichtungssystem, das in dünnen Schichten (1–3 mm) auf bestehende Untergründe aufgetragen wird. Es besteht aus Zement, feinem Quarzsand, Polymeren und Pigmenten. Der Name «Mikro» bezieht sich auf die dünne Auftragsstärke, nicht auf die Korngrösse.

Gängige Systeme
  • Mortex (Beal): belgisch, mineralisch, handaufgetragen. Der Klassiker. Matte, samtige Oberfläche. Muss versiegelt werden.

  • Pandomo (Ardex): industriell, zementbasiert, mit Epoxid-Versiegelung. Glatter, gleichmässiger als Mortex.

  • Béton Ciré: Sammelbegriff für verschiedene französische Systeme. Qualität variiert stark je nach Hersteller.

  • Naturofloor: Schweizer System, mineralisch, mit eigenem Farbsystem. Zertifizierte Fachhandwerker.

  • Marmorino: kein Zement, sondern Kalkputz. Anderes Material, ähnliche Optik. Älter (venetianisch), weicher, atmet besser.

Was Mikrozement kann.

  • Fugenlos: keine Fugen über grosse Flächen, Böden, Wände, Treppen, Möbel, Duschen. Der Hauptgrund, warum Architekten es spezifizieren.

  • Dünn: 1–3 mm Auftrag ermöglicht Renovation ohne Aufbauhöhe zu verändern. Ideal für Bestandsbauten.

  • Vielseitig: auf Beton, Estrich, Fliesen, Holz, MDF, fast jeder Untergrund ist möglich (mit Grundierung).

  • Ästhetik: eine handwerkliche, lebendige Oberfläche mit natürlicher Wolkigkeit und Tiefe. Kein industrielles Produkt sieht so aus.

  • Farben: praktisch jeder Farbton ist mischbar. Erdtöne, Grau, Weiss, sogar dunkle Töne.

  • Akustik: auf Wänden und Decken verbessert Mikrozement die Raumakustik leicht, besser als Beton, schlechter als Textil.

Was Mikrozement nicht kann.

Und hier wird es wichtig.

  • Rissfreiheit: Mikrozement reisst. Nicht vielleicht, er reisst. Wenn der Untergrund arbeitet (Estrich, Holz), überträgt sich die Bewegung auf die Beschichtung. Haarrisse sind normal und bei vielen Systemen «Teil des Charakters». Für Bauherren, die Perfektion erwarten, ist das ein Konflikt.

  • Fleckenresistenz: unversiegelt ist Mikrozement porös. Rotwein, Kaffee, Öl dringen ein und bleiben. Versiegelung schützt, muss aber alle 2–5 Jahre erneuert werden.

  • Nassräume: Mikrozement in Duschen ist möglich, aber riskant. Die Versiegelung muss lückenlos sein; Dehnungsfugen an Wand-Boden-Übergängen sind Pflicht. Nicht jeder Handwerker kann das.

  • Abrieb: Böden mit hoher Beanspruchung (Eingangsbereiche, Gastronomie) zeigen nach 3–5 Jahren Verschleiss. Nachversiegeln ist möglich, aber nicht unsichtbar.

  • Gleichmässigkeit: die handwerkliche Auftragstechnik erzeugt natürliche Variation. Wer eine gleichmässige, homogene Fläche will, wählt das falsche Material.

  • Untergrund: der Untergrund muss trocken, rissfrei und tragfähig sein. Ein schlechter Untergrund zerstört jede Mikrozement-Beschichtung. Die Vorbereitung kostet oft mehr als die Beschichtung selbst.

Die Kosten, ehrlich gerechnet.

  • Material + Verarbeitung Boden: CHF 180–350/m² (je nach System und Handwerker)

  • Material + Verarbeitung Wand: CHF 120–250/m²

  • Untergrundvorbereitung: CHF 30–80/m² (oft unterschätzt)

  • Versiegelung: CHF 20–40/m² (und alle 3–5 Jahre erneuern)

  • Nacharbeit/Reparatur: CHF 50–100/m² (wenn Risse oder Flecken behandelt werden müssen)

  • Vergleich: ein guter Natursteinboden kostet CHF 150–300/m² und hält 100 Jahre ohne Versiegelung.

Wann Mikrozement die richtige Wahl ist.

  • Renovationsprojekte: wo die Aufbauhöhe limitiert ist und Fugenlosigkeit gewünscht wird.

  • Wandflächen: hier spielt Mikrozement seine Stärke aus, keine Abrieb-Belastung, volle ästhetische Wirkung.

  • Möbel und Einbauten: Waschtische, Kücheninseln, Regale, hier ist die Fläche klein und kontrollierbar.

  • Bauherren, die «Wabi-Sabi» verstehen: wenn natürliche Alterung und Haarrisse als Charakter akzeptiert werden, nicht als Mangel.

Wann besser nicht.

  • Bauherren, die Perfektion erwarten: Mikrozement ist kein perfektes Material. Wer keine Risse und keine Wolkigkeit akzeptiert, wählt Feinsteinzeug.

  • Hochfrequentierte Gewerbeflächen: Gastronomie, Einzelhandel mit Stuhlbeinabrieb, hier ist Naturstein oder Feinsteinzeug die langlebigere Wahl.

  • Duschen ohne erfahrenen Handwerker: eine schlecht versiegelte Mikrozement-Dusche ist ein Feuchtigkeitsproblem, das teuer wird.

  • Wenn das Budget knapp ist: Mikrozement «sieht günstig aus», ist es aber nicht. Mit Untergrund, Versiegelung und Nachpflege ist es oft teurer als Naturstein.

Der Handwerker macht den Unterschied.

Kein anderes Material im Innenausbau hängt so stark vom Handwerker ab wie Mikrozement. Zwei identische Systeme, aufgetragen von zwei verschiedenen Handwerkern, sehen komplett anders aus. Die Spezifikation des Systems allein genügt nicht, der Handwerker muss mitspezifiziert werden.

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